Amazon-Chef Jeff Bezos und Raumfahrt-Träume: “Wir müssen zum Mond – um zu bleiben”


Für die meisten Menschen ist Jeff Bezos der Gründer und Chef von Amazon – und dadurch der reichste Mensch der Welt. Doch mit seinen Milliarden hat sich Bezos schon vor Jahren ein zweites, ihm viel wichtigeres Standbein aufgebaut: Er will die Menschen ins Weltall bringen. Seine Firma Blue Origin baut deshalb schon seit Jahren an Raketen. Jetzt will er auch noch den Mond erobern. Doch das ist nur eine Voraussetzung für seine viel größere Vision.

Das verkündete Bezos gestern bei einem Event in der US-Hauptstadt Washington D.C.. In einer einstündigen Rede legte Bezos dort seine Sorge um die Zukunft der Menschheit dar. Durch den immer größeren Bedarf an Ressourcen und Energie wird uns die Erde auf Dauer nicht ausreichen, seiner Ansicht nach führt kein Weg an der Eroberung des Sonnensystems vorbei. Und er will den Grundstein dafür legen.

Über den Mond das All erobern

Ausdrücklich lobte Bezos die Ankündigung des von Wissenschaftlern in vielerlei Hinsicht kritisierten US-Vizepräsidenten Mike Pence, man wolle bis 2024 wieder auf dem Mond landen. “Ich liebe diese Idee”, so Bezos. “Es ist die richtige Entscheidung.” Seine Firma wolle ihren Beitrag dazu leisten – in Form des Mondlanders Blue Moon. “Es ist Zeit, wieder auf den Mond zu gehen – und diesmal zu bleiben”, so Bezos.

Zunächst soll der in der größten Version gut 6,5 Tonnen tragende Blue Moon aber noch keine Menschen, sondern Ressourcen, wissenschaftliches Equipment und Forschungs-Rover ähnlich dem auf den Mars geschickten Modell Discovery auf den Mond bringen. Dort sollen sie nach verarbeitbaren Ressourcen wie Eis suchen. Erst in einem zweiten Schritt soll dann eine spezielle Version von Blue Moon auch Menschen und eine Rückkehr-Kapsel dort absetzen.

Leben in grünen Röhren

Den Mond sieht Bezos nur als einen Zwischenschritt auf der Eroberung des Sonnensystems. Anders als Tech-Kollege Elon Musk will er aber keine Basis auf dem Mars errichten. Stattdessen träumt er von fliegenden Landschaften und Städten, die in Glasröhren im All hängen. Diese sogenannten “O’Neill-Zylinder” lernte Bezos in Vorlesungen bei ihrem Erfinder Gerard O’Neill in den frühen Achtzigern kennen.

Die aus Ressourcen aus Asteroiden konstruierten Weltraumstationen sollen auch in Bezos’ Vision wie eine ideale Erde funktionieren. In den Röhren sollen nicht nur Städte, sondern ganze Landschaften mit Bergen, Flüssen und natürlicher Vegetation und Tierwelt existieren. In einem Bild steht ein Hirsch vor einer die Röhre füllenden Berglandschaft. “Es ist wie Maui an seinem besten Tag, das ganze Jahr”, so Bezos. Bloß, dass man sich nicht vor Regen oder gar Erdbeben fürchten müsse. “Die Menschen werden dort leben wollen.” Wenn nicht, könnten sie aber auch jederzeit zurück zur Erde.

Generationen-Projekt

Dass diese Vision extrem ehrgeizig ist, weiß auch Bezos. Und auch, dass er die Vollendung vermutlich nicht mehr erleben wird. Er sieht seine konkreten Pläne zur Mondfahrt auch nur als erste Ansätze, den Weg zu ebnen, auf dem künftige Generationen dann endgültig den Schritt ins All wagen können.

Um das zu erreichen, muss man nach Bezos zunächst zwei große Probleme lösen: Raumfahrt muss deutlich bezahlbarer werden und die passenden Ressourcen müssen sich direkt im All gewinnen lassen können. Die aktuellen Pläne dienen genau dazu. Schon länger entwickelt Blue Origin eigene Raketen, die wie die von Musks Space-X-Projekt wieder landen können. So sollen die horrenden Kosten der Raumfahrt gedrückt werden. Für das zweite Ziel ist Blue Moon ein erster Schritt: Die Rover sollen helfen, Ressourcen im All zu entdecken und sie nutzbar zu machen.

Der Traum vom Weltall begleitet Bezos schon seit der Kindheit, erzählte er auf der Bühne. Mit fünf Jahren habe er die Mondlandung von Apollo 11 im Fernsehen verfolgt. Die Faszination habe immer angehalten. “Man sucht sich seine Leidenschaften nicht aus – sie wählen dich aus”, sagte er dazu auf der Bühne. Weswegen er auch O’Neills Vorlesungen besuchte. Heutzutage hat er eben die Ressourcen, die Träume selbst in die Tat umzusetzen.

Model "Blue Moon": Mit dieser Raumfähre will Amazon zum Mond



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