Krampfadern vorbeugen: Das können Sie tun



Bei Krampfadern, im Fachjargon auch Varizen genannt, handelt es sich um oberflächliche Venen, die meistens an den Beinen knotenförmig, geschlängelt oder verästelt hervortreten. “Letztlich können sich Venen aber in nahezu allen Regionen des Körpers zu Krampfadern entwickeln, wenn der venöse Abstrom behindert ist”, erklärt uns ein Spezialist für Angiologie und Phlebologie vom Gefäßzentrum Münchner Freiheit. Normalerweise transportieren die Venen das Blut – entgegen der Schwerkraft – zum Herzen zurück. Leiern diese jedoch aus, ist der Rückfluss gestört und das Blut versackt in den Beinen. Infolgedessen kommt es zu einer Erweiterung der oberflächlichen Venen, sodass diese unter der Haut deutlich hervortreten. Doch was passiert eigentlich im Körper, dass die Venenklappen nicht mehr richtig schließen können und warum bekommen Frauen häufiger Krampfadern als Männer?

Ursachen und Symptome von Krampfadern

Da mehr Frauen als Männer unter einer angeborenen Bindegewebsschwäche leiden, erklärt das auch, warum sie häufiger unter Krampfadern leiden. Hinzukommt, dass die Venen mit zunehmendem Alter immer stärker ausleiern und somit Varizen fördern. Und das sind leider noch nicht alle Gründe, die dazu führen können, dass sich oberflächliche Venen an den Beinen erweitern und verformen. Auch ein Überschuss an weiblichen Hormonen (etwa während einer Schwangerschaft), mangelnde Bewegung, Stehberufe, zu enge Kleidung und Übergewicht können bei bestehenden Krampfadern ungünstig sein. Allein in Deutschland sind zwischen 50 und 80 Prozent der Bevölkerung davon betroffen. “Hiervon weisen allerdings weit über 50 Prozent nur eine leichte, auf keinen Fall gefährliche Varikose auf, lediglich bei etwa fünf bis 15 Prozent ist sie stärker oder sehr deutlich ausgeprägt”, so der Facharzt.

Die Beschwerden, die dadurch ausgelöst werden können, fallen bei jedem Menschen unterschiedlich aus. Viele Betroffene klagen über Spannungs- und Schweregefühle in den Beinen oder auch Schmerzen, die vor allem in Verbindung mit langem Stehen oder Sitzen auftreten – und an warmen Tagen verstärkt werden. In dem Fall handelt es sich nicht mehr nur um ein rein ästhetisches Problem, wie etwa bei Besenreisern, sondern um ein medizinisches. “Spätestens dann sind Krampfadern nicht mehr nur ein Schönheitsfehler, sondern bedürfen einer gründlichen ärztlichen Untersuchung und ggf. Behandlung. Krampfadern bilden sich nicht von selbst zurück!”, gibt der Facharzt zu bedenken. Umso wichtiger ist es, die Ursache im Vorfeld zu bestimmen, da es zwei verschiedene Formen von Krampfaderleiden gibt: primäre und sekundäre Varikosen. Was das ist, erfahren Sie im nächsten Absatz.

Primäre und sekundäre Varikosen kurz erklärt

Die primäre Varikose zählt zu der häufigsten Form von Krampfadern, da sie einer angeborenen Schwäche der Venenklappen zugrunde liegt. “Dadurch weiten sich die Venenwände und die Venenklappen schließen nicht mehr richtig. Das Blut staut sich daraufhin in den Venen und dehnt sie dauerhaft krankhaft aus”. Je nachdem, in welcher Form die Varizen auftreten, unterscheidet man zwischen vier verschiedenen Arten:

  • Besenreiser (oberflächliche Verästelungen): Dabei handelt es sich um kleine Äderchen, die unter der Haut auftreten. Sie sind jedoch keinesfalls als Vorreiter für ausgeprägte Varizen anzusehen, sondern nur als kosmetisches Problem.
  • Retikuläre Venen: Sie liegen ebenfalls unter der Haut, treten aber deutlich stärker in Erscheinung. Die netzartigen Venen sind in der Regel zwischen ein bis drei Millimeter dick, aber ebenfalls unwichtig für den Abtransport des Blutes.
  • Seitenastvenen: Die Krampfadern sind deutlich dicker und meist die Folge einer chronischen venösen Stauung, die durch eine nicht behandelte Thrombose ausgelöst wurde, oder aber sie sind angeboren. Für eine Therapie muss das gesamte Venensystem des Beines untersucht werden.
  • Stammvenen: Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich dabei um große oberflächliche Sammelvenen – und davon an jedem Bein zwei: Vena saphena magna und Vena saphena parva. An ihren Mündungen sind wichtige Venenklappen, die Krampfadern fördern, wenn sie nicht mehr richtig schließen.

Die sekundäre Varikose entsteht meistens infolge einer Thrombose. Dabei bildet sich in einer tiefen Unter- oder Oberschenkelvene ein Blutgerinnsel, wodurch die entsprechende Vene verstopft wird. Infolge des zunehmenden Drucks dehnen sich die Gefäßwände aus – und es bilden sich die charakteristischen Krampfadern. “In der Frühphase einer Thrombose kommt es noch nicht zu wesentlichen Krampfadern. Wenn das Gerinnsel aber nicht zügig beseitigt werden kann, drohen eine dauerhafte Behinderung des Blutabflusses in den tiefen Venen und dadurch im Lauf der Zeit eine Ausbildung sekundärer, oberflächlicher Varizen”, gibt der Spezialist zu bedenken.

Diese Behandlungsmöglichkeiten gibt es

Je nachdem, ob Sie unter primären oder sekundären Varikosen leiden, gibt es unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten. Zu der nicht-medikamentösen Therapie zählen u. a. Kompressionsstrümpfe, die den Druck auf die Beine erhöhen und somit dafür Sorge tragen, dass das Blut schneller abfließen kann – und die Beine abschwellen. Da sie jedoch nicht individuell angefertigt werden, gibt es keine Garantie dafür, dass die versprochene Linderung tatsächlich eintritt. In ausgeprägten Fällen wäre eine Maßanfertigung empfehlenswert, wobei in der chronischen Phase ein Unterschenkel-Kompressionsstrumpf ausreichend ist.

Zu den medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten zählen frei verkäufliche Tabletten, Tropfen oder Salben, die typische Beschwerden durch Krampfadern lindern sollen. “Die Varizen heilen oder gar beseitigen können, gibt es aber nicht!” warnt der Arzt. Es gibt sowohl venentonisierende Mittel als auch Ödemprotektiva – beide werden aus Pflanzenextrakten hergestellt. Erstgenanntes soll die Spannkraft der Venen steigern, Letzteres soll die Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe entgegenwirken. Beide gibt es meistens in Form von Cremes und Salben zur äußeren Behandlung – die Linderung tritt jedoch nur bei regelmäßiger Anwendung ein.

Es gibt auch spezielle Salben und Gele aus Heparin oder Hirudin, die eine kühlende Wirkung versprechen und somit für die oberflächliche Venenentzündung empfohlen werden. “Ihr Problem ist aber ihre oft mangelhafte Resorption, und überdies ist ihre Wirkung sicherlich nicht ausgeprägt”, erklärt der Facharzt und ergänzt: “Als alleinige Therapie sind sie bei einer eindeutigen Phlebitis aber auf keinen Fall ausreichend!”. Das Gleiche gilt für entwässernde Medikamente (Diuretika), die seiner Meinung nach nur kurzfristig eingesetzt werden sollten, z.B. wenn sich im Gewebe sehr viel Flüssigkeit gesammelt hat.

Hinweis: Wenn Sie unter einer tiefen Venenthrombose leiden, wirken die Medikamente meist nicht.

Neben den medikamentösen Therapiemöglichkeiten gibt es auch noch interventionelle und operative Methoden, dazu zählen u.a. die Verödung (Sklerosierung) und Stripping. Bei der ersten Möglichkeit werden die Gefäßwände der Vene mit einer speziellen Flüssigkeit verschlossen oder mit einem speziellen Schaum verklebt. Bei der zweiten Möglichkeit werden die Venen stillgelegt oder operativ entfernt – über einen kleinen Schnitt in die Haut, über den eine Sonde eingeführt wird und die betroffene Vene oder den erkrankten Teil von ihr abzutrennen oder herauszuziehen.

Darüber hinaus gibt es auch noch die endoluminale Radiofrequenztherapie und die endoluminale Lasertherapie: Dabei werden die Venen verschlossen, wobei es sich um rein ambulante und in örtlicher Betäubung durchgeführte Methoden handelt. Auch eine Verklebung der oberflächlichen Stammvenen wird neuerdings empfohlen, wobei es dazu aber noch keine Langzeitstudien gibt. Die früher ausgeführte Stripping-operation ist durch die erwähnten neuen Therapiemethoden deutlich in den Hintergrund getreten.

Besprechen Sie am besten mit Ihrem zuständigen Arzt oder einem Gefäßspezialisten (Angiologie und Phlebologie), welche Therapie für Sie die beste ist.

Diese Maßnahmen können Sie ergreifen

Das Wichtigste vorweg: Die folgenden Empfehlungen können dazu beitragen, Ihre Beschwerden zu lindern – es gibt jedoch keine Verhaltensmaßnahmen, durch die Krampfadern verschwinden. 

  • Vermeiden Sie es bei deutlichen Krampfadern, lange zu sitzen oder zu stehen.
  • Tragen Sie besser flache Schuhe als hohe.
  • Wann Sie Stauungsbeschwerden haben, legen Sie die Beine zu Hause hoch.
  • Da sich Gefäße bei Wärme ausdehnen und den Blutfluss ausbremsen, sollten Sie heiße Temperaturen (z.B. in der Sauna) bei bestehenden Krampfadern vermeiden.
  • Kühles Abduschen verbessert die Blutzirkulation in Ihren Beinen.
  • Treiben Sie möglichst viel Bewegungssport wie zum Beispiel Spazierengehen, Tanzen, Joggen, Fahrradfahren, Schwimmen oder Gymnastik. Durch die Stärkung der Beine kräftigen Sie Ihre Muskelpumpen und verbessern den Blutrückfluss.
  • Meiden Sie hingegen Sportarten wie Bodybuilding, diese sind für Krampfadernpatienten ungünstig.

Je gesünder Sie sind, desto gesünder sind auch Ihre Gefäße.

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